Worum geht es beim Facebook-Datenleck und was sind die Konsequenzen für Affiliates?

Worum geht es beim Facebook-Datenleck und was sind die Konsequenzen für Affiliates?

Der Datenskandal um den Social-Media-Giganten ist momentan in aller Munde. Unter dem Hashtag „deletefacebook“ rufen tausende von Nutzern zum Löschen des Accounts bei Facebook auf. Schätzungen ergeben, dass weltweit bis zu 87 Millionen Personen betroffen sind. Doch worum geht es bei der Panne, die mittlerweile schon als eines der größten Datenlecks in der Geschichte des sozialen Netzwerks betitelt wird, wirklich?

Zu den Fakten: Bereits im März wurde bekannt, dass das britische Unternehmen Cambridge Analytica Datensätze von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern einsehen konnte. Ihnen wird außerdem vorgeworfen, mit Hilfe dieser Daten unter anderem Trump im Wahlkampf 2016 unterstützt zu haben. Jüngsten Vorwürfen zufolge soll das Unternehmen außerdem bei der Brexit-Abstimmung vor knapp zwei Jahren mitgemischt haben.

Die Reaktionen sind eindeutig: Unzählige Privatpersonen aber auch große Unternehmen rufen unter anderem über den Hashtag „deletefacebook“ zum Boykott gegen die Social-Media-Plattform auf. So löschte das US-Automobilunternehmen Tesla kurz nach Bekanntwerden des Datenskandals seinen Account.

Facebook reagiert einsichtig. Gründer Mark Zuckerberg entschuldigte sich öffentlich bei allen Betroffenen und versprach weitreichende Reformen, um die Daten der Nutzer zukünftig besser zu schützen.

Wie konnte es soweit kommen?

Um diese Frage zu klären, müssen wir etwas weiter ausholen. Bereits 2013 meldete sich der russisch-amerikanische Neurowissenschaftler Aleksandr Kogan bei Facebook an. Er hatte das Ziel, für wissenschaftliche Zwecke Daten über Facebook zu sammeln. Hierzu entwickelte er eine App, die er dann auf der Social-Media-Plattform platzierte. Über diese App mit dem Namen „thisisyourdigitallife“ gelangten die Daten von ungefähr 270.000 Personen an Kogan. Wichtig ist, zu erwähnen, dass diese Personen ihr Einverständnis zur Nutzung ihrer persönlichen Daten wissentlich gaben. Soweit so gut. Nun ergab sich hieraus folgendes Problem: Nicht nur die Daten der vorher zugestimmten Nutzer wurden ausgelesen – Die App verschaffte sich auch Informationen über die Daten aller Personen aus den jeweiligen Freundeslisten. So kam es, dass auf einmal nicht mehr 270.000 sondern rund 50 Millionen Menschen betroffen waren.

Grund genug, einen weltweiten Skandal auszurufen? Wir schauen weiter: Grundsätzlich muss man sich fragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Doch die Schuldfrage zu beantworten, ist gar nicht so einfach.

Betrachtet man Facebook, kann eines klar gesagt werden: Zum Zeitpunkt der Datensammlung räumte der Social-Media-Gigant seinen App-Entwicklern die Möglichkeit des Datenlesens der Nutzer (und auch der Freunde) durchaus ein. 2015 wurde das Feature, dass solche Apps auch auf die Freundeslisten der Nutzer zugreifen dürfen, nach massiver Kritik zwar gelöscht, jedoch waren die meisten Daten zu diesem Zeitpunkt schon längst ausgelesen.

Dass Alexsandr Kogan seine gesammelten Daten zwei Jahre später an das Unternehmen Cambridge Analytica weiterverkaufte, wusste Facebook. Doch auch hier wurde es nicht für nötig gehalten, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu treffen: Die Social-Media-Plattform ließ sich lediglich schriftlich versichern, dass die Daten gelöscht worden waren. Ein großer Fehler, wie sich noch zeigen soll.

Doch auch die Facebook-Nutzer selbst sind nicht ganz unbeteiligt: Die betroffenen Freunde haben ihre eigenen Sicherheitseinstellungen nicht sorgfältig genug überprüft. Dort gibt es, versteckt in einigen Unterkategorien, die Möglichkeit, die Datenweitergabe an Apps von Freunden zu verweigern. Nichts desto trotz ist es die Aufgabe Facebooks selbst, diese Einstellungsebene so zu gestalten, dass sie übersichtlich und transparent ist. Das Nicht-Wissen der User darf unter keinen Umständen für eigene Zwecke ausgenutzt werden.

#deletefacebook

Bereits kurz nach Bekanntwerden des Datenskandals wurde der Hashtag „deletefacebook“ ins Leben gerufen und vor allem über den Mikroblogging-Dienst Twitter verbreitet. An der Verbreitung dieses Hashtags war vor allem Whatsapp-Mitgründer Brian Acton maßgeblich beteiligt. Er verkaufte den Messaging-Dienst im Jahr 2014 an Facebook und war – bis vor kurzem – selbst noch bei dem US-Unternehmen Facebook angestellt. Seinem Beispiel folgen zahllose Privatpersonen und Unternehmen: Seit dem Aufkommen des Skandals löschten oder deaktivierten unter anderem Tesla, SpaceX und der US-Playboy ihre Accounts. Darüber hinaus stoppten viele Firmen ihre Werbeanzeigen, die sie über die Social-Media-Plattform geschaltet hatten.

Pro und Kontra

An der Debatte rund um Facebook scheiden sich die Geister: Die einen löschen ihren Account, wieder andere halten den Aufstand für übertrieben. In dem ganzen Meinungs-Wirrwarr haben wir für euch die ausschlaggebendsten Argumente beider Seiten einmal kurz zusammengefasst:

 

Account löschen:

  • Facebook sammelt alle Daten, nicht nur die selbst eingegebenen sondern auch Daten über das Nutzerverhalten, die besuchten Seiten etc.
  • Facebook macht das Schalten von möglicherweise manipulativen Werbeanzeigen, durch die Weitergabe von sensiblen Nutzerdaten, sehr einfach.
  • Die Einstellungen zur Privatsphäre sind sehr undurchsichtig

Account behalten:

  • Die gelöschten Daten bleiben trotzdem auf dem Server enthalten und können weiterhin ausgewertet und genutzt werden (Facebook schaltet mittlerweile per “Audience Network” auch außerhalb der Plattform personalisierte Werbung)
  • Um konsequent einer „Spionage“ aus dem Weg zu gehen, müsste man schon alle Social-Media-Accounts löschen (also auch WhatsApp, Instagram und Co.)
  • Die Plattform ist zu relevant, um ignoriert zu werden (wer mitreden möchte, sollte wissen, wie Facebook funktioniert)

Wie geht es nun weiter?

Mark Zuckerberg räumte einige Fehler ein: „Wir haben die Verantwortung, Ihre Daten zu schützen“, ließ er bereits am 25. März verkünden. Er bedauere außerdem, dass sein Konzern nicht mehr hierfür getan habe. Damit so etwas nicht wieder passiert, kündigte der 33 Jahre alte Unternehmensführer große Reformen an. Der Zugang von App-Entwicklern zu Informationen der Nutzer soll eingeschränkt werden. Darüber hinaus sollen Facebook-Apps, die länger als drei Monate ungenutzt bleiben, automatisch keinen Zugriff mehr auf die Nutzerdaten des Users haben. Auch die Privatsphäre-Tools werden überarbeitet: Sämtliche Einstellungen sind dann nicht mehr auf viele Unterkategorien verteilt, sondern an einem Ort zugänglich. Veraltete Einstellungsebenen werden erneuert und angepasst. Allgemein sprach sich der Facebook-Gründer für mehr Transparenz aus. Er will dafür sorgen, dass den Nutzern seiner Plattform zukünftig klarer wird, welche Informationen mit Apps geteilt werden und welche nicht.

Konsequenzen für Affiliates

Für Affiliates, die Social Media als Affiliate-Kanal für sich nutzen, zieht der jüngste Skandal ebenfalls Konsequenzen nach sich. Eine Solche Aufmerksamkeit hat das Thema Datenschutz in Sozialen Netzwerken schon lange nicht erlebt. Es ist möglich, dass aufgrund der dadurch resultierenden Aufklärung der Facebook-Nutzer und der technischen Neuerungen, die Facebook nun impliziert, das Targeting spezieller Zielgruppen erschwert wird. Dies macht sich bereits jetzt bemerkbar, da zuletzt die Abschaffung sog. Partnerkategorien bekanntgegeben wurde, welche zu 100 % auf Nutzerdaten von Drittanbietern basieren und das Ansprechen sehr präzise definierter Zielgruppen möglich gemacht haben. Beispielsweise ließen sich Personen herausfiltern, die ein bestimmtes Bruttoeinkommen haben.

Mit weniger persönlichem Targeting und schwindender organischer Reichweite wird es für Affiliates künftig interessant, sich mit dem Thema Facebook-Gruppen zu beschäftigen, die organische Reichweite noch am besten imitieren. Bezahlte Kampagnen zu schalten wird in Zukunft, trotz der Einschränkungen beim Targeting, selbstverständlich weiterhin eine gute Möglichkeit, bleiben potentielle Kunden zu erreichen, jedoch wird es aufgrund der nun in Kraft tretenden Einschränkungen weniger präzise.

Affiliate Deals wird die Entwicklung weiterhin beobachten und Euch über konkrete Konsequenzen auf dem Laufenden halten.

Schlussendlich

Es ist immer leicht, dem Anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Keine Frage, der Neurowissenschaftler Alexandr Kogan machte sich mit dem Verkauf der Daten an Dritte strafbar. Und sollte das britische Unternehmen Cambridge Analytica wirklich an den Wahlergebnissen von Trump oder dem Brexit beteiligt gewesen sein, ist dies ein handfester Skandal. Doch Facebook als den alleinigen Schuldigen darzustellen, ist nicht ganz richtig.

Jeder, der Informationen über sich im Internet preisgibt, ist selbst dafür verantwortlich, diese zu schützen, sofern es die Möglichkeit gibt – und diese Möglichkeit gab es in den Privatsphäre-Einstellungen der Social-Media Plattform tatsächlich. Wer sich also das nächste Mal darüber aufregt, dass dieser Datenskandal wieder zeigt, wie unzuverlässig und unsicher das Internet ist, sollte zuerst einmal überprüfen, ob er selbst schon alles dafür getan hat, seine Daten zu schützen.

Über den Autor

Lena Rymkiewitsch

Lena Rymkiewitsch

Lena studiert Cross-Media in Hamburg und schreibt seit 2018 für die Affiliate Deals Online Redaktion. Schon früh hegte sie großes Interesse an journalistischen Tätigkeiten. Hierbei begeistert sie sich vor allem für alle Themen rund ums Online-Marketing. Außerdem gehören Sport, Kinobesuche und gutes Essen zu Lenas Leidenschaften.

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