Domainhandel 2017 – Ein Blick hinter die Kulissen

Domainhandel 2017 – Ein Blick hinter die Kulissen

Als letztes Jahr die Domain “hg.com” für beeindruckende €3.5 Millionen den Besitzer wechselte, war das Thema “Domainhandel” für einige Tage wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Abgesehen von einigen Schlagzeilen jedoch, bleibt der Handel mit freien “Grundstücken” im Netz unter dem Radar vieler Webmaster.

Manche Kommentatoren fühlten sich an die “gute, alte Zeit” erinnert, als findige, kreative Webmaster noch Domains im Dutzend kaufen und für ein zigfaches an große Firmen veräußern konnten.

So wurden alle erdenklichen Wortkombinationen zu bekannten Marken, Produkten oder Filmen (wie bei Star Wars) in Domainnamen und damit quasi in Investitionsmöglichkeiten umgemünzt. Man konnte damals gewisse Namen für unter 100 D-Mark erwerben, ein paar Monate/Jahre warten – et voila, sobald ein Filmstudio/Spiele-Entwickler vergessen hatte, alle passenden Domains rechtzeitig zu sichern, war man aus dem Schneider. Dabei kam es durchaus vor, dass Webmaster bis zum eintausendfachen Preis oder mehr verlangen konnten, was sich, gemessen an der Reichweite und Relevanz mancher Domains für den späteren Käufer, immer noch lohnte.

Rechtliche Rahmen für den Domainhandel

Nichtsdestotrotz nahm dieses sogenannte Domain- bzw. Cybersquatting (“digitale Hausbesetzung”) immer absurdere Formen an und der Anteil von Domains, die bloß zum Zwecke des Weiterverkaufs erworben, aber nie von den Erstkäufern genutzt wurden, nahm Überhand. So sah sich der Gesetzgeber in den USA genötigt, eine verbindliche Regelung zu entwerfen und umzusetzen: den ACPA – “Anticybersquatting Protection Act.”

Das Gesetz besagt, dass ein Markeninhaber “ihren” Domainnamen von vorigen Besitzern einklagen können, sofern sie beweisen können, dass der aktuelle Besitzer die Domain ausschließlich “in bad faith”, sprich: zum gewinnbringenden Weiterverkauf, erworben hat – und nicht etwa, um die Seite im eigentlichen Sinne selbst zu betreiben. In der EU ist die Gesetzeslage relativ ähnlich, allerdings wird in den meisten Fällen die ADR-Stelle (“Alternative Dispute Resolution”) in Prag angerufen.

Domainhändler auf dem Vormarsch

Das ist alles bereits 16 Jahre her und seitdem haben große Domainhändler versucht, sich von den oben beschriebenen Methoden fernzuhalten bzw. aktiv dagegen vorzugehen. Gehandelt werden heute vor allem, siehe “whisky.com”, generische Domains, die zu einem bestimmten Keyword extrem gut ranken, jedoch nicht markenrechtlich geschützt sind.

Doch wie sieht es mittlerweile mit der Profitabilität aus? Mit mehreren Milliarden Domains im Netz zu allen erdenklichen Themen, findet offensichtlich immer noch ein reger Handel statt – den mittlerweile jedoch einige große Anbieter, wie SEDO oder GoDaddy, zu dominieren scheinen.

Dazu hält sich seit Jahren hartnäckig das Gerücht, dass die ICANN (“Internet Corporation for Assigned Names and Numbers”) große Marken bei derartigen Rechtsstreitigkeiten bevorzugt, selbst wenn der ursprüngliche Domainbesitzer die Seite nutzt und nicht nur zum Weiterverkauf “belagert”.

China treibt Preise nach oben

Solange die Chinesen noch in ihrem “walled garden”, der vor allem der staatlichen Zensur geschuldet war, flanierten, konnte der Rest der Welt die Auswirkungen eines Milliardenmarkts auf die Preise im Netz noch relativ leicht ignorieren. Nachdem die Führung in Peking aber für Unternehmen wie Tencent, Alibaba oder China Telecom begann, Ausnahmen zu machen, stiegen immer mehr Investoren in den Domainhandel ein und trieben so die Preise nach oben.

Wurde 2016 für über €3.5 Millionen versteigert: hg.com

So hat es die doch recht unauffällige Domain “hg.com” letztes Jahr mit einem Kaufpreis von ca. 3,5 Millionen Euro an die Spitze der “generischen” Charts geschafft – dort findet der Besucher jetzt einen gut sortierten und exklusiven Spirituosenhandel. Auch bei den neuen Domain-Endungen, wie zum Beispiel “.xyz” liegen die Chinesen weit vorne. Zahlen in der URL scheinen sich im Reich der Mitte besonderer Beliebtheit zu erfreuen, so dass “1.xyz” mit einem Kaufpreis von ca. 160.000 Euro auch tatsächlich den ersten Platz in dieser Liste belegt, dicht gefolgt von “9.xyz” und “66.xyz”, die ebenfalls in China registriert wurden.

Auf dem deutschen Markt sind sechs- oder siebenstellige Kaufpreise bisher noch Zukunftsmusik, was nicht bedeutet, dass hier nicht auch einiges an Geld den Besitzer wechselt. Mit 58.000 Euro und 53.500 Euro, lagen 2016 die Domains “itjobs.de” und “90minuten.de” auf den ersten beiden Plätzen der teuersten Seiten.

Praxistipps

Wie in vielen anderen Berufen, sollten sich auch Affiliates mit ihrem Handwerkszeug auskennen. Guides und Experten-Tipps zu SEO-Tools, Adwords oder Conversion-Tracking gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, während das Wissen über Domainhandel eher rar gesät ist. Dabei geschieht das Anmelden einer Domain lange, bevor irgendwelche Werbemittel oder Referral-Links überhaupt eingebunden werden.

Hier zum Abschluss noch ein paar generelle Richtlinien, an denen man sich orientieren kann, was den (zukünftigen) Wert einer Domain angeht bzw. wie viel man bereit sein sollte, für eine Seite zu zahlen.

  • Informiert Euch zunächst auf Seiten wie Domainpreise.com oder Peew.de über freie Domains und vor allem, zu welchen Preisen diese tatsächlich den Besitzer wechseln. Im Zweifel die Entwicklung über ein paar Tage/Wochen mitverfolgen, um ein generelles Gefühl für realistische Werte zu erhalten.
  • Die Preisunterschiede zwischen TLDs wie .com, .de oder .net zu neueren Varianten wie .xyz oder .eu sind erheblich. Sollte eine gewünschte Reichweite/Suchvolumen auch mit einer Nicht-TLD-Domain realistisch erscheinen, kann man hier viel Geld sparen. Im SEO und OM-Bereich ist vor allem .org sehr beliebt, was man durchaus beachten sollte.
  • Sichtbarkeit und Reichweite sind bei deutschen Domains häufig nicht so wichtig für die Monetarisierung, wie es ein “verwertbarer” Seitenname ist. Auffällige und leicht zu merkende Seitennamen lohnen sich deutlich mehr, als eine Domain, die zwar höhere Aufrufzahlen, dafür aber einen sehr “generischen” Namen hat.
  • Viele Besitzer, deren Hosting-Service abläuft, verkaufen ihre Seiten deutlich unter Wert, daher solltet Ihr vor allem am Monatsende die Augen offen halten. Im Zweifel mit einem Backorder-Tool reservieren.
  • Domains, deren Name und TLD zusammen einen offensichtlichen Wert aufweisen, “auf Verdacht” kaufen. Viele Affiliates/Publisher betreiben mehrere Projekte gleichzeitig und haben Erfahrung im Platzieren einer Seite bei Google. So kann man diese entweder später, mit höherer Reichweite, weiterverkaufen, oder sehr günstig für eigene Zwecke verwenden.

Fazit

Für Außenstehende ist der Handel mit freien Domains nicht ganz einfach zu durchschauen. Wie eingangs erwähnt, bleibt das Thema bei vielen Leuten entweder unter dem Radar, oder diejenigen, die Einblick gewähren könnten, halten sich mit erhellenden Kommentaren eher zurück.

Für Publisher, die Seiten nicht zum Weiterverkauf, sondern vor allem für eigene Zwecke erwerben wollen, reichen allerdings ein paar simple Grundregeln und ein waches Auge, um preiswerte und lukrative Domains zu ergattern.

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Über den Autor

Martin

Martin

Martin ist Community-Manager bei AffiliatePeople und schreibt regelmäßig Beiträge für Affiliate Deals. Als klassischer Quereinsteiger der Online Branche ist Martin vielfältig interessiert und aufgrund seiner Twitter-Leidenschaft immer auf den neuesten Stand wichtiger News.

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