Experteninterview

“Authentisch sein!” – Fotograf und YouTuber Calvin Hollywood im Interview


In der Fotografieszene ist Calvin Hollywood ein bekanntes Gesicht. Wer etwas über Photoshop oder Fotografie wissen will, besucht entweder seine exklusiven Workshops, oder schaut seine YouTube-Videos.

Mit uns plaudert Calvin Hollywood darüber, wie er zu YouTube kam, was er für Erfolgsstrategien hat und wie er seine unzähligen Aufgaben am Tag bewältigt.

1. Dein Tag scheint mehr als 24 Stunden zu haben. Jeden Tag ein Video, Posts, Arbeit, Fortbildungen: Wie sieht Dein Tagesablauf aus? Drehst Du ein Video, gehst zum Mittag und planst dann das nächste? Oder ist es jeden Tag anders?

Mein Tag ist eigentlich sehr entspannt, ich habe mittlerweile ein paar Angestellte, die nehmen mir viel Arbeit ab. Jetzt ist es gerade 8 Uhr, ich hab´ heute mal das Training ausgelassen, eigentlich ist morgens immer Fitnesstraining angesagt und um 9 Uhr beginnt der Tag für meine Angestellten.

Im Team ist ein fester Filmer, der kommt mehrere feste Tage in der Woche. Mit dem setze ich mich dann zusammen und wir drehen einfach Filme für Newsletter, für YouTube usw.

Eigentlich ist aber jeder Tag geplant. Genauso gibt es jeden Abend feste Zeiten, zu denen ich mich weiterbilde.

landschaft-calvin-hollywood© Calvin Hollywood

Ich bin jemand, der extrem viel plant, und deswegen finde ich meinen Tagesablauf auch entspannt und kann immer gar nicht verstehen, warum viele glauben, ich würde so viel machen. Ja, es ist vielleicht schon viel, aber es ist echt entspannt. Ich tue mich nicht überarbeiten.

Jetzt gerade ist ein bisschen mehr zu tun. Nachher habe ich ein Shooting. Die Tage geht´s auf die Azoren, da passiert mal ein bisschen mehr, aber eigentlich ist es immer sehr entspannt. Hier im Büro arbeite ich bis 18 Uhr, gehe dann nach Hause, Ein-Zwei-Stunden Familie, dann Laptop und Social Media. Ein paar Kommentare lesen, E-Mails beantworten und zocken!

Ich muss jeden Abend ein-zwei Stunden Playstation zocken. Das ist einfach so ein festes Ding.

2. Beschreibe, wie Du vom eigenen Forum zu diversen Websiten, YouTube-Kanälen und Workshops gekommen bist.

Angefangen hab´ ich damals 2005, da war das Thema Forum noch sehr aktuell. Wenn man was lernen wollte, hat man sich einfach das passende Forum gesucht und die Fragen und Antworten dort studiert. Ich hab´ natürlich auch selbst ein Forum gegründet, hatte dann viele tausend Leute da drin, die auch Fragen hatten. So kamen die Workshops.

Irgendwann gab es dann Facebook und YouTube (YT), das ging ja 2005 gerade los. Und ich glaub´, die Foren sind dann einfach weniger geworden, als Facebook mit seinen Gruppen kam. Ich hab´ gemerkt, dass es zu viel Zeit kostet ALLES verdammt gut zu machen. Ich konzentriere mich immer auf das, von dem ich glaube: Das ist die Zukunft und das war eben Facebook.

YouTube war für mich immer eine coole Sache nebenbei. Die Plattform hat sich sehr schnell entwickelt. Am Anfang hab´ ich sehr viele lustige Videos gedreht und es kamen immer mehr Fans mit der Zeit. Es hat halt immer sauviel Spaß gemacht und deswegen habe ich es weitergemacht, aber ich wollte mit YT nie erfolgreich werden. Dafür ist mein Business, das ich jetzt aufgebaut habe, zu groß und das Einkommen von YouTube zu klein.

Für mich ist YT eine Quelle der Aufmerksamkeit und eine Möglichkeit, mich um die jungen Leute zu kümmern, die noch nicht die Kohle haben für meine Videotrainings.

Im neuesten Video erklärt Calvin Hollywood wie die Umwandlung von Fotos in Schwarz/Weiß funktioniert.

3. Gibt es eine besondere Strategie, mit der Du Videos drehst?

Es gibt viele Videos, die ich spontan drehe. Das sind dann aber nicht die geplanten YouTube-Videos, sondern eher Facebook-Videos.

Meine Strategie für die Videos ist: Authentisch sein. Nie viel Zeit mit Strategie und Dreh verbringen, sondern authentisch sein. Wenn mal ein Versprecher drin ist, nimm ihn mit rein, das macht gar nichts. Je öfter man dasselbe dreht, desto steifer wird das Video.

Einfach rausrotzen, ehrlich sein, authentisch sein. Wichtig sind aber eigentlich nur der Ton und die Bildqualität. Du machst hier keine Präsentation für ein millionenschweres Unternehmen, das verkaufen muss, sondern das ist YouTube: Einfach raus damit, das ist die Strategie, wenn es nicht perfekt ist: Raus damit.

making-of-calvin-hollywood© Calvin Hollywood

Calvin Hollywood

Trotzdem natürlich die Videos vorbereiten: Was willst Du sagen. Vielleicht einen kleinen Plan machen, welche Punkte Du nicht vergessen willst – Das ist schon wichtig.

4. Für wie sinnvoll hältst Du Merchandising als zusätzliche Einnahmequelle?

Aktuell ist es für mich nicht so wichtig, aber für die jungen Leute, die keine anderen Einnahmequellen haben, oder für die Musiker ist es gut. Ich hab´ das zwar, aber es ist deswegen entstanden, weil viele das haben wollten. Damit mache ich zum Beispiel fast gar keinen Umsatz, weil das im Einkauf sauteuer ist und ich noch keine gute Quelle gefunden hab.

Ich glaub´, damit Merchandising eine zusätzliche Einnahmequelle sein kann, muss man bekannter sein. Für mich und mein Business ist es einfach für die Promotion gut.

5. Bei welchen Quellen im Netz informierst Du Dich über neue Entwicklungen, z.B. von YouTube oder anderen Geschäftsfeldern, die Du bearbeitest?

Ich lese sehr viele Blogs. Ich verfolge die Arbeit anderer YouTuber extrem, auch wenn ich mit denen gar nichts zu tun hab´: Ob das jetzt ein „Alberto“ ist, oder ein „Herr Tutorial“.

fotoshooting-calvin-hollywood© Calvin Hollywood

Mich interessieren gar nicht so sehr die Videos, sondern einfach, wie die das machen, wie sie das alles handhaben, das gucke ich mir schon an. Außerdem bin ich auf unzähligen anderen Webseiten unterwegs, Business-Webseiten, Online Marketing Rockstars – also alles, was so mit Internetmarketing zu tun hat.

Gerade auch aus anderen Bereichen, nicht nur in der Fotografie: Da kann man sich viel abschauen.

6. Hast Du Strategien für YT und welche wären das? Wie hast Du auf der Plattform angefangen?

Ich hab´s aus Spaß angefangen, einfach um Videos zu zeigen. Strategien habe ich, aber ich nutze sie nicht so. Es gibt ja die typischen Tipps, „Von-einem-ins-andere-Video-verweisen“, „Call to Action“ – also ich kenne schon das komplette Programm.

YouTube ist für mich aber nicht die oberste Priorität, weil ich einfach dieses Unternehmen hab´. Ansonsten empfehle ich allen, die mit YouTube ein bisschen mehr machen wollen, wirklich auch Strategien zu entwickeln. Die wichtigste Strategie ist wahrscheinlich die Regelmäßigkeit: Jeden Mittwoch zu einer bestimmten Uhrzeit ein Video.

Dann immer von einem Video ins andere verweisen, geile Titel reinsetzen, die ersten Zeilen in der Videobeschreibung müssen rocken und die Leute heiß machen, die ersten Sekunden im Video MÜSSEN rocken. Videos nicht so lang machen. Wie gesagt, das sind gute Strategien, aber ich halte sie selbst nicht immer ein, weil es bei mir eben aktuell noch andere wichtigere Projekte gibt. Aber das sind auf jeden Fall Strategien, die man verfolgen sollte.

7. Welche Ausrüstung ist am Anfang nötig? Gibt es etwas, das jeder Neu-YouTuber sich über kurz auf jeden Fall zulegen sollte?

Ein gutes Mikro! Das ist das wichtigste. Kamera: Scheiß drauf. Die Handys filmen heute schon echt gut und jede kleine Digicam macht ein gutes Bild. Einfach Fensterlicht nehmen, wenn Du nichts anderes hast. Der Sound ist das Wichtigste. Danach das Licht, weil die Kamera hat eh schon jeder. Investiert in einen vernünftigen Ton.

8. Was lässt sich mit YouTube am Anfang verdienen und welches sind schlaue Möglichkeiten, die jeder Neuling kennen sollte?

Da darf man als YouTuber ja nicht drüber reden. Auf der Plattform Social Blade bekommt man aber einen ganz guten Eindruck. Wenn mich einer fragt: Wirst Du mit YouTube reich, dann sage ich: Um Gottes Willen nein. Für die jungen YouTuber, die 100.000 Fans haben, ist das ein schöner Zusatzverdienst.

retusche-extrem-calvin-hollywood© Calvin Hollywood

Ich muss jeden Monat einen fünfstelligen Betrag machen, um allein meine Kosten zu decken, z.B. für Räumlichkeiten und Angestellte. Das könnte ich nie nur mit YouTube stemmen. Deswegen habe ich ein anderes Business. Wenn es aber ein Student oder ein Schüler ist, dem monatlich ein paar 100 Euro langen, der kann sich voll in YouTube reinsetzen und kann sich da einiges finanzieren.

Du brauchst am Anfang Ausdauer und einen Plan: Wen willst Du erreichen, wie ist Deine Strategie? Du brauchst Regelmäßigkeit und einfach auch das Feedback Deiner YouTube-Leute. Kooperationen mit anderen YouTubern sind das A und O. Such Dir große YouTuber und versuch irgendwie von denen erwähnt zu werden, kontaktier sie, mach mit denen Interviews und so weiter.

Das sind am Anfang schlaue Möglichkeiten und was sich verdienen lässt, liegt an jedem selbst. In meinen Augen ist es halt aber wenig. Aber nach oben hin ist das offen.


Calvin Hollywood

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