Was ein vertragsloser Brexit für die Digitalwirtschaft und Affiliates bedeutet

Was ein vertragsloser Brexit für die Digitalwirtschaft und Affiliates bedeutet

Am 29. März sollte die letzte Schonfrist abgelaufen sein, doch nun baten die Briten erneut um Aufschub. Kaum ein anderes Thema ist seit mehr als zwei Jahren in den Medien so präsent, wie der Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union. Ob geordnet oder vertragslos, eines ist so gut wie sicher: Der Brexit wird kommen. Während sich die Briten durch ihren Austritt mehr Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Aufschwung erhoffen, fürchten Kritiker das genaue Gegenteil. Ihrer Meinung nach bedeutet der Brexit vor allem eines: höhere Zölle, strengere Reglementierungen und steigende Steuern.

Kommt es zu einer Austrittsvereinbarung zwischen der EU und Großbritannien, würde der Brexit zumindest „abgefedert“ werden, was insbesondere für die wirtschaftlichen Beziehungen von Vorteil wäre. Droht jedoch ein vertragsloser Brexit, hätte das unangenehme Folgen – für beide Seiten. Diese Folgen machen auch vor der Digitalwirtschaft keinen Halt. Darauf sollten sich Online-Marketer und Affiliates im Falle eines vertragslosen Brexit einstellen:

 

Ungewisse Rechtslage

Mit einem ungeordneten Austritt der Briten aus der EU ist das Vereinigte Königreich aus datenschutzrechtlicher Sicht als “unsicherer Drittstaat ohne angemessenes Datenschutzniveau“ zu betrachten. Damit stünde Großbritannien auf einer Stufe mit Indien und Ghana. Die europäische Datenschutzgrundverordnung (kurz DSGVO) fände dann keine Anwendung mehr – mit verheerenden Folgen für den Datenverkehr und Datentransfer. Achim Berg, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, warnt: “Der Datenverkehr mit einem Land wie zum Beispiel Uruguay ist ab dem 30. März einfacher als mit dem Vereinigten Königreich. Wer dies missachtet, und zum Beispiel Kunden- oder Auftragsdaten im Vereinigten Königreich verarbeiten oder speichern lässt, verstößt gegen die Datenschutzgrundverordnung – mit den bekannten hohen Bußgeldrisiken.” Auch BVDW-Vizepräsident Thomas Duhr ist sich sicher: “Ein Brexit ohne Vertrag wird in der Digitalen Wirtschaft unabsehbare Verwerfungen und einen erheblichen Mehraufwand verursachen.”

Die britische Regierung beteuert, dass sich das Datenschutzniveau auch bei einem No-Deal Brexit nicht direkt ändert, da man die DSGVO ins britische Recht überführen werde. Es kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass Großbritannien nach dem EU-Austritt, nicht doch von den EU-Regeln und der DSGVO abweicht und sich vom bisherigen Datenschutzniveau entfernt.

Deshalb sollte man sicherheitshalber schon jetzt die Datenflüsse nachvollziehen, um zu wissen, welche Daten wohin und zu welchem Zweck transferiert werden. Im Anschluss sollten bestehende Verträge mit britischen Datenverarbeitern überprüft und gegebenenfalls überarbeitet werden.

Einzelne Unternehmen haben nach Artikel 46 der DSGVO die Möglichkeit, durch “geeignete Garantien” den entsprechenden Datenschutz nachzuweisen. In jedem Fall bedeutet ein vertragsloser Brexit aber vor allem eines: Starke Einschränkungen und einen enormen Mehraufwand.

Hohe Versandkosten und mögliche Zölle

Im Jahr 2017 kauften 54 Prozent aller Online-Shopper mindestens einmal auf einer grenzüberschreitenden Webseite. Doch das könnte schon bald ein Ende haben. Mit einem harten Brexit kommen wahrscheinlich auch höhere Versandkosten, die Wiedereinführung von Zöllen und eine Einfuhrumsatzsteuer auf uns zu. Das bedeutet höhere Preise für den Endverbraucher und damit gegebenenfalls einen Rückgang der Verkaufszahlen. Für die E-Commerce Branche, die mit einem Marktanteil von 60 Prozent gerade in Deutschland, Frankreich und Großbritannien boomt, wäre das ein enormer Rückschritt. Auch hier gilt es deshalb, durch vorausschauende Vorbereitung das Ausmaß der möglichen Konsequenzen einzudämmen.

Viele mittelständische britische Online-Händler sehen angesichts des drohenden vertragslosen Brexits derzeit nur eine Lösung: Sie planen, mit ihrem Business in ein anderes europäisches Land auszuwandern – oftmals nach Deutschland.

Erschwerte Neugründungen

Viele Neugründer, auch aus der Digitalwirtschaft, zieht es nach Großbritannien. Hier ist vor allem die Unternehmensform der britischen Limited (kurz: Ltd.) beliebt. Einer der großen Vorteile gegenüber einer deutschen GmbH ist das geringe Stammkapital, das für eine Gründung erforderlich ist. Doch im Falle eines vertragslosen Brexit droht den Limiteds der Verlust ihrer Rechtspersönlichkeit. Deshalb wird Neugründern geraten, die Rechtsform zu wechseln, was jedoch mit einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden ist.

Auswirkungen auf das Affiliate-Marketing

Doch was bedeutet das alles nun für Affiliate-Marketer? Betroffen sind vor allem diejenigen, welche mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, das in Großbritannien einen großen Absatzmarkt bedient. Wer sich beispielsweise auf seinem Blog mit dem Thema Autos befasst, sollte sich auf eventuelle Änderungen gefasst machen,denn der Brexit gefährdet auch die deutsche Automobilbranche. Wirtschaftliche Folgen, wie das Einbußen von Gewinnen könnten sich im schlimmsten Fall auch auf das Budget auswirken, welches man zuvor für Affiliate-Marketing eingeplant hatte.

Auch Affiliates, die direkt für ein britisches Unternehmen werben oder eine britische Zielgruppe bedienen, müssen mit Einschränkungen in der Auszahlung rechnen. Gerade Onlineshops werden im Fall eines vertragslosen Brexits Probleme mit hohen Kosten für Zölle und Versand bekommen. Welche Auswirkungen der Austritt auf das britische Affiliate-Marketing hat, erklärt Helen Southgate auf der Performance Marketing Konferenz PMI.

Fazit

Selbst bei einem geregelten Brexit sind eine Menge Anpassungen notwendig, damit die Digitalwirtschaft weiterhin im gleichen Maße erfolgreich bestehen kann. Im Falle eines harten Brexits müssen sich Online-Marketer auf einige Änderungen und vor allem Einschränkungen gefasst machen. Sicher ist: Der EU-Austritt Großbritanniens versetzt der europäischen Digitalbranche einen herben Dämpfer. Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, sollte man sich so schnell und umfassend wie möglich informieren, bestehende Verträge neu aushandeln und die nächsten Schritte sorgfältig planen. Es bleibt nur darauf zu hoffen, dass der Brexit so reibungslos wie möglich abläuft.

Categories: Affiliate News

Über den Autor

Lena Rymkiewitsch

Lena Rymkiewitsch

Lena schreibt seit 2018 für die Affiliate Deals Online Redaktion. Schon früh hegte sie großes Interesse an journalistischen Tätigkeiten. Hierbei begeistert sie sich vor allem für alle Themen rund ums Online-Marketing. Außerdem gehören Sport, Kinobesuche und gutes Essen zu Lenas Leidenschaften.